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Nachteulengottesdienste

Im Jahr 1996 gründeten der Ludwigsburger Pfarrer Georg Schützler und ich die Ludwigsburger „Nachteulengottesdienste“. Sie finden seitdem monatlich, jeweils am 3. Sonntagabend in der Ludwigsburger Friedenskirche statt. In diesem Jahr feiern die Nachteulengottesdienste ihr 20jähriges Bestehen.

Pfarrer Schützler und ich waren uns darin einig, dass wir diesen neuartigen Gottesdienst nicht vorsichtig und ängstlich entwickeln, sondern mutig und konsequent. Wenn wir schon etwas Neues beginnen, dann gleich richtig und ohne falsche Rücksichtnahme auf Althergebrachtes. Das bedeutete für uns: In den Nachteulengottesdiensten gibt es keine Orgel, kein Talar und kein Gesangbuch.

Die Gottesdienste basieren auf drei Elementen: Einer ausführlichen Verkündigung (30-45 Minuten), meditativen Körper- und Phantasieübungen, an denen sich alle Anwesenden aktiv Beteiligen können und einer anspruchsvollen musikalischen Gestaltung, die überwiegend in der Hand professioneller Musiker liegt. Die Gottesdienste dauern 90-100 Minuten.

eulen1In den ersten Jahren der Nachteulengottesdienste lag die Verkündigung in meiner Hand. Danach schälte sich ein Team von Rednern und Rednerinnen heraus, die mehr oder wenig häufig die Verkündigung übernahmen. Die Verkündigung behandelt biblische Texte und biblische Themen, aber auch allgemeine Fragen der Lebensgestaltung und der gesellschaftlichen Verantwortung. Die Gottesdienste werden durchschnittlich von 800-1100 Zuhörern (im Winter) bzw. von 600-900 Zuhörern (im Sommer) besucht. Wie empirische Befragungen zeigen, haben etwa ein Drittel der Gottesdienstbesucher kaum sonstige Kontakte zum kirchlichen Leben.

In der Anfangszeit waren die Nachteulengottesdienste nach der Thomas-Messe in Reutlingen der zweite größere und regelmäßige Alternativgottesdienst in der württembergischen Landeskirche. Heute gibt es in der württembergischen Landeskirche über 30 Alternativgottesdienste. Viele von ihnen sind auf Anregungen von Seiten der Nachteulengottesdienste entstanden. Diese Entwicklung wird vom Oberkirchenrat in Stuttgart begrüßt und gefördert. Auch außerhalb unserer Landeskirche haben die Nachteulengottesdienste zur Gründung mehrerer ähnlicher Gottesdienste geführt.

Zu den Nachteulengottesdiensten sind zwei Bücher erschienen, die zwar vergriffen, aber immer wieder antiquarisch angeboten werden:

  • Georg Schützler, Siegfried Zimmer, Wohin gehen „Nachteulen“?: Argumente, Geschichten und Phantasien für Gottsucher und solche, die es werden könnten, Stuttgart 1998
  • Siegfried Zimmer, Georg Schützler, Nachteulen-Gottesdienste: spirituelle Angebote für Kirchenferne, Stuttgart 2001

Die Geschichte und die Theologie der Nachteulengottesdienste stelle ich in folgendem Buch ausführlich dar:

  • Irene Mildenberger, Wolfgang Ratzmann (Hg.), Jenseits der Agende, Reflexion und Dokumentation alternativer Gottesdienste, Leipzig 2003

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Im Jahr 2010 trafen sich in einer Bielefelder Privatwohnung eine Gruppe von Christen unterschiedlicher Prägung. An diesem Treffen nahm ich auch selbst teil. Diese Gruppe wurde durch eine Vision zusammengeführt, die sie gemeinsam in die Tat umsetzen wollten. Sie gaben ihrer Vision den Namen „Worthaus“.

Die Idee von Worthaus besteht darin, Vorträge über zentrale Themen des christlichen Glaubens im Internet einem weltweiten, deutschsprachigen Publikum visuell und audiell anzubieten. Die Vorträge sollen wissenschaftliche Qualität haben, zugleich allgemeinverständlich und geeignet sein, auch bei einem säkularem Publikum Interesse und Neugier an der Frage nach Gott zu wecken.
Das Projekt „Worthaus“ ist unabhängig von kirchlichen Interessen und basiert auf der vollen Freiheit des kritischen Denkens. Bei den Vorträgen geht es weniger um akademische Bildung im üblichen Sinn, sondern darum, dass ABC des christlichen Glaubens neu zu entdecken. Die Verbindung zur theologischen Wissenschaft und zu den Universitäten ist dabei von grundlegender Bedeutung. Worthaus möchte jede Form religiöser Enge und Engstirnigkeit vermeiden und einen unverstellteren Blick auf die Entstehungsgründe und die Eigenart des christlichen Glaubens fördern.

In den ersten Jahren von Worthaus war ich weitgehend der einzige Referent. In den darauffolgenden Jahren haben wir aber – über meinen Kollegen und Freund Dr. Thomas Breuer hinaus – eine Reihe von Universitätsprofessoren zu Vorträgen im Rahmen dieses Projekts gewinnen können. Von evangelischer Seite handelt es sich dabei um die Kollegen Wilfried Härle, Manfred Oehming und Michael Welker (Heidelberg), Marco Frenschkowski, Andreas Schüle und Peter Zimmerling (Leipzig). Von katholischer Seite handelt es sich um die Kollegen Klaus von Stosch (Paderborn), Simone Paganini (Aachen) und Stefan Schreiber (Augsburg). Außerdem haben wir auch Prof. Dr. Thorsten Dietz von der Theologischen Hochschule Tabor (Marburg) zu Vorträgen im Rahme unseres Projekts gewinnen können.
Die Arbeit von Worthaus vollzieht sich vor allem in der Form fünftägiger Jahrestagungen. Sie fanden in den ersten Jahren in Weimar statt, seitdem in der Musik- und Singschule Heidelberg. Die Tagungen beginnen jeweils am Freitagabend und enden am darauffolgenden Dienstag mit dem Mittagessen. In der Regel werden im Rahmen dieser Jahrestagungen zwölf Vorträge angeboten. Es besteht auch die Gelegenheit zu Rückfragen an die Referenten. Diese Diskussionsrunden werden aber nicht öffentlich dokumentiert. Die Abende sind frei und biete die Gelegenheit zum Kennenlernen bzw. zum Nutzen kulturelle Angebote.

Worthaus_3In den ersten beiden Jahren von Worthaus (2011/12) stand Jesus aus Nazareth, die zentrale Gestalt des christlichen Glaubens, im Mittelpunkt. Die dritte Jahrestagung (2013) widmete sich der Erzählung von Adam & Eva (1. Mose 2-3), die vierte Jahrestagung (2014) dem Verständnis der Bibel. Die fünfte Jahrestagung (2015) widmete sich dem prophetischen Element des christlichen Glaubens. In diesem Jahr (2016) wenden wir uns zum ersten Mal keinem biblischen, sondern einem geschichtlichen Thema zu: die Bedeutung der Reformation bzw. der reformatorischen Grunderkenntnisse Martin Luthers. Für das Jahr 2017 haben wir uns folgendes Thema vorgenommen: Die Entstehung Gottes im Kind – Qualitätskriterien für die christliche Erziehung und eine frühe religiöse Bildung.

In den letzten Jahren beschränkt sich die Arbeit von Worthaus nicht mehr ausschließlich auf die großen Jahrestagungen. Wir bieten auch zunehmend, über das Jahr verstreut, einzelne Vorträge oder Studientage an. Alle näheren Informationen unter www.worthaus.org.

Kommende Veranstaltung

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Im Jahr 2014 kamen Tom Dillenhöfer – Chorleiter des Stuttgarter Gospelchors „Gospel im Osten“ (GiO; näheres unter www.gospel-im-osten.de) – und ich gemeinsam auf die Idee, in der Landeshauptstadt Stuttgart einen regelmäßigen Gospel-Gottesdienst anzubieten. Ein solches Angebot gab es bisher in Stuttgart nicht. Wir fanden die großzügige Unterstützung der Ev. Gesamtkirchengemeinde Stuttgart und zweier benachbarter Stuttgarter Kirchengemeinden (Heilandskirche und Friedenskirche).

Im März 2015 begannen die Gospelgottesdienste – GospelHaus genannt – in der Stuttgarter Friedenskirche (nähe U-Bahn Haltestelle Neckartor) jeweils am dritten Sonntagabend des Monats: um 19 Uhr im Sommer bzw. um 18 Uhr im Winter.

GH_4Die Gottesdienste werden musikalisch gestaltet von einem Teil des Stuttgarter Gospelchores GiO (GospelHaus-Chor). Der Chor wird unterstützt durch Solisten und Instrumentalisten. Die Verkündigung liegt überwiegend in meiner Hand. Wir laden aber auch Gastprediger ein. Typisch für die GospelHaus-Gottesdienste sind eine schlanke Liturgie, die mehr Zeit lässt für die Verkündigung und das gemeinsame Singen von Gospel-Songs. Die Lieder werden also nicht nur vom Chor vorgetragen, sondern zielen auf eine „singende Kirche“.

Bei den GospelHaus-Gottesdiensten handelt sich um Alternativgottesdienste, die nicht am Althergebrachten festhalten, sondern sich manche Freiheiten herausnehmen. Auch die Verkündigung will sich nicht mit traditionellen Antworten zufriedengeben, sondern möchte neue Zugänge zur biblischen Botschaft möglich machen.

GH_1Die Gospel-Gottesdienste wurden von Anfang an sehr gut angenommen. Wir freuen uns über eine volle Kirche. Wir hoffen, dass sich diese Gottesdienste zu einem festen Bestandteil des kirchlichen Lebens in Stuttgart entwickeln werden. Alle weiteren Informationen finden Sie unter www.gospelhaus-stuttgart.de.

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