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Der folgende Text stammt von Jürgen Mette, einem evangelikalen Theologen, der sich in friedlicher Absicht um die wertschätzende und lernfähige  Begegnung der modernen Bibelwissenschaft mit der pietistischen Frömmigkeit müht. Er hatte 20 Jahre einen Lehrauftrag an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg, ist Mitglied im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) und erfolgreicher Autor (Spiegel-Besteller „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, Kriminalroman „Gnadenzeit“, „Reformation des Herzens“ u.a.). Der folgende Text bring deutlich zum Ausdruck, zu welch unabhängiger und selbstkritischer Einschätzung der theologischen Situation Jürgen Mette gelangt ist. Darin gehört er zu den sehr erfreulichen Beispielen innerhalb der konservativen Christenheit. Sie sind leider eher selten und untypisch. Umso größere Aufmerksamkeit verdienen sie:

Jürgen Mette

Zum Nachdenken

Nichts macht den Menschen so radikal blind, taub und ungehorsam, als der sichere Besitz einer unfehlbaren Lehre. (Wilhelm Stählin)

Genau da komme ich her. Mein stolzes Herz und Wesen musste erst geschüttelt und gerührt werden, bis mir dieses Wunder bewusst geworden ist.

Und die hohe Segensschule Parkinson hat mich genau da heraus geführt. Danke, mein himmlischer Vater.

Gott hätte seine Offenbarung für die Welt in atomsicheren Bunkern für ewig isolieren und konservieren können. Einen von ihm diktierten und gespeicherten Kodex wasserdicht, feuerfest, unangreifbar.

Was macht er stattdessen?

Weder er selbst noch sein Sohn schreiben selbst, noch lassen sie schreiben. Die Trinität überlässt die lebenswendende Botschaft über Jahrhunderte mündlicher Zeugenschaft. Dann sehen sie zu, wie x Autoren anfangen aufzuschreiben und abzuschreiben, weil sie dachten, die schriftliche Konserve wäre zuverlässiger. Und dann kommt irgendwann ein Komitee zusammen und ringt unter Gebet und kompetenter Prüfung um eine Sammlung der Schriften im AT- und NT-Kanon. Welch riskantes Unterfangen. Unzählige Forscher haben dieses fragile Fragment göttlicher Offenbarung durch die ärmlichen Mühlen ihrer begrenzten Wissenschaft gedreht. Gott hat über seinem Wort gewacht und es in jeder Kulturepoche neu dynamisiert. Welch ein Schatz in welch riskant brüchigen Gefäßen? Das macht den Unterschied zum Buch Mormon und zum Koran.

Wie lächerlich sind angesichts dieses Wunders unsere geharnischten Versuche, uns für die reine Lehre zu verkämpfen, die Schrift dem Zugriff der Wissenschaft zu entziehen und vor dem Geist der Aufklärung und der Kontextualisierung zu warnen.

Wer das verstanden hat, lässt sich abrüsten von der Defensive reflexartiger Buchstabenverteidigung und gerät in die unbeschwerte freie Offensive eines vollmächtigen Zeugnisses vom gekreuzigten und auferstandenen und wiederkommenden HERRN.

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